Exklusives Interview mit Helga Bayertz
 
 
von Karin Bouchot
 
 

Helga Bayertz, die ehemalige bekannte Nachrichtensprecherin und Fernsehansagerin des Berliner SFB (jetzt RBB) hatte sich auch als Moderatorin beliebter Shows und Konzerte in mehreren Ländern einen Namen gemacht. So konnte sie in ihren Sendungen berühmte internationale Künstler vorstellen, wie z.B. Udo Jürgens, Juliette Greco, Paul Kuhn, Heino, Mireille Mathieu, Gilbert Bécaud und viele andere.

Übrigens haben die Fernsehzuschauer und Rundfunkhörer - zur Zeit der Berliner Mauer - ihre Wunschkonzerte nicht vergessen, die wie eine Brücke von Ost nach West die Kontakte mit den getrennten Familien aufrechterhielten. Auf Grund ihrer sympathischen Stimme und ihrer persönlichen Ausstrahlung wurde sie während des geteilten Deutschlands eine populäre Vermittlerin, eine Funktion, die sie jahrzehntelang ernst genommen hat. Ausserdem interessiert sich Helga Bayertz für das religiöse Phänomen in unserer modernen Gesellschaft und war so freundlich, die Fragen von Philosophische Blumen zu beanworten.

 
 
Philosophische Blumen : Guten Tag Helga Bayertz. Hatten Sie Ihren Beruf bewusst gewählt oder sind Sie damals per Zufall Rundfunk-und Fernsehansagerin geworden?

Helga Bayertz : Eigentlich hatte ich schon immer Freude an der Kommunikation und suchte bereits in der Schulzeit den Kontakt zum Publikum. Oft wurde ich damit beauftragt, Ansagen zu machen oder Gedichte vorzutragen, was mir viel Spass machte. Nach einer seriösen, klassischen Fremdsprachenausbildung im Lette-Verein arbeitete ich kurzfristig als Sekretärin für einen Professor. Auf Anraten einer ehemaligen Schulfreundin bewarb ich mich seinerzeit beim Sender Freies Berlin zunächst in der gleichen Branche, hatte aber plötzlich die Idee, den Personalchef zu fragen, wie man eigentlich Fernsehansagerin wird. Nach einem Casting von 100 Kandidatinnen hatte ich die einmalige Chance, zu den ersten drei Kandidatinnen zu gehören. Daraufhin suchte ich mir sofort die beste Lehrerin, um ein intensives Sprechstudium zu machen.


P. B. : Im Laufe Ihrer Karriere sind Sie zahlreichen Künstlern begegnet. Welcher Künstler hat Sie besonders beeindruckt?

Helga Bayertz : Im Laufe meiner Karriere habe ich viele bekannte Persönlichkeiten kennengelernt, aber vielleicht war es der französische Chansonnier Gilbert Bécaud. Er verstand es nämlich hervorragend, das Publikum zu begeistern. Der Konzertsaal war jedesmal wie elektrisiert. Man nannte ihn ja auch nicht umsonst Monsieur 100 000 Volt. Er war unglaublich kommunikativ.


P. B. : Immer mehr Sänger im Showbusiness behandeln seit einiger Zeit religiöse Themen. Finden Sie diesen neuen Trend gut?

Helga Bayertz : Ehrlich gesagt, ich habe diesen Trend nicht so genau verfolgt, aber wenn dem so ist, finde ich es gut, denn Leute, die keinen Glauben haben sind wirklich arm dran. Hoffnung ist für mich sehr wichtig im Leben.


P. B. : Was halten Sie von der Volksmusiksendung des jüngsten Showmasters in Deutschland, Florian Silbereisen, der mehrere Male mit einer Gruppe katholischer Ordensschwestern auf der Bühne auftrat und mit ihnen zusammen musikalisch ein Glaubensbekenntnis ablegte?

Helga Bayertz : Ich habe seine Sendungen nicht gesehen, weil ich kein Fan der Volksmusik bin. Wenn diese Art von Show jedoch dem Publikum gut gefällt, entspricht es sicher den inneren Bedürfnissen der Menschen.


P. B. : Ist es nicht erstaunlich, dass religiöse Lieder in einer Musikshow, vor allem in der ehemaligen DDR, einen Riesenbeifall vom Publikum ernten, während die meisten eingetragenen Kirchenmitglieder sich nicht mehr für die traditionellen Kirchen interessieren?

Helga Bayertz : Das stimmt. Die meisten Leute wollen nicht mehr regelmässig in die Kirche gehen. Ich persönlich gehe auch nur selten dorthin, glaube aber fest an Gott und bete regelmässig, auch um für alles Gute zu danken, das er mir täglich gewährt.


P. B. : Wie erklären Sie sich diese “Kirchenmüdigkeit” in allen grossen traditionellen Kirchen ; die Tatsache, dass die Leute weiterhin an Gott glauben, aber sich nicht mehr mit den offiziellen Institutionen identifizieren wollen?

Helga Bayertz : Ich kann als Katholikin nur für die katholische Kirche sprechen. Hier spielt sicher die verkrustete Dogmatik eine entscheidende Rolle. Es sollte beispielsweise in Zeiten von Aids erlaubt sein, ein Präservativ zu benutzen. Leider ist die Pille für die Frauen ebenfalls vom Papst verboten worden. Was allein diese Tatsache für die ärmeren Länder bedeutet, bedarf keiner Erklärung.


P. B. : Welche Bilanz ziehen Sie von Ihrer langen Berufskarriere?

Helga Bayertz : Ich empfinde ein Gefühl der Dankbarkeit, weil ich das seltene Glück hatte, beruflich das zu machen, was ich immer machen wollte. So erfüllte sich mein Jugendtraum tatsächlich.


P. B. : Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Helga Bayertz : In erster Linie Gesundheit für die ganze Familie und Frieden in der Welt. Mögen wir nicht das erleben, was unsere Eltern und Großeltern durchgemacht haben. Ansonsten bin ich mit meinem Leben zufrieden.


Philosophische Blumen : Vielen Dank, Helga Bayertz, für dieses Gespräch.

 
Berlin, den 2. Juni 2005
 
 
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