Die Auferstehung, Basis der christlichen Hoffnung
 
 
«Die Kirche beruht auf der Gewissheit der Auferstehung. Ohne diese Tatsache würde es nie eine christliche Kirche geben» (Suzanne de Dietrich)
 
 

«Jesus ist auferstanden.» Diese Überzeugung, die von den Christen aller Zeiten proklamiert wird, ist die einzige Grundlage für ihre Hoffnung. In der Tat, ohne die Auferstehung Christi gäbe es keine Hoffnung für die Gläubigen. Ob Katholiken, Protestanten oder Orthodoxe, alle sind im Glauben an den auferstandenen Christus vereint. Ohne die Auferstehung Christi gäbe es keinen möglichen Sieg über das Böse, über den Tod. Dies ist das wichtigste historische Ereignis. Der Schweizer Pastor Henri Gambini zögert nicht zu schreiben, dass «dieses Ereignis der Eckpfeiler des ganzen christlichen Gebäudes ist; es allein bestätigt das gesamte Werk Jesu und ermöglicht es, die dauerhafte Gründung seiner Kirche zu erklären. Wenn man diese Tatsache ignoriert, werden die Grundlagen unserer Glaubenslehren erschüttert, und somit ist ihr Zerfall voraussehbar; ein Zerfall, der umso schlimmer ist je eindrucksvoller und kolossaler das Gebäude ist (1)». Emile Eldin, ein anderer protestantischer Pastor, drückt es genauso aus: «Die Auferstehung Christi ist der Eckstein des ganzen christlichen Gebäudes; alles steht oder fällt mit ihr; ohne sie wäre Jesus nicht mehr der Heiland, denn er selbst bräuchte einen Erlöser. Er hätte demnach die Sünde und den Tod nicht besiegt und wir hätten nicht die Garantie seines Sieges (2).»

Die Echtheit der Auferstehung des Heilandes wird von zahlreichen Zeugnissen bewiesen, die keine Kritik zerstören kann. In diesem Zusammenhang bestätigt der protestantische Theologe Charles-Edouard Babut, dass «der wichtigste Beweis für die Auferstehung Jesu Christi von den Aposteln, den Predigern und im allgemeinen von den ersten Jüngern Jesu erbracht wird. Diese Zeugen können sich nicht getäuscht haben und noch weniger können wir die Zeugen der Auferstehung Christi der Lüge verdächtigen. Der moralische Charakter der Apostel, ihre Überzeugungskraft, die Schmähungen und Verfolgungen wegen ihrer Predigt von einem toten und auferstandenen Messias schliessen jegliche Vermutung dieser Art völlig aus. Sowohl die Zeugen sind glaubwürdig als auch die Zeugnisse – die sie bei der Auferstehung Jesu abgelegt haben und welche die Basis ihres Glaubens und ihrer Predigt darstellen – alle sind klar, eindeutig und übereinstimmend in den wesentlichen Punkten (3)».

Die Auferstehung Christi ist auch der Beweis seiner Göttlichkeit und diesbezüglich finden wir in der Bibel, in den ersten Zeilen des Briefes an die Römer, ein ausreichend überzeugendes Zitat: «er hat mich dazu auserwählt, seine Gute Nachricht bekanntzumachen. Denn nun ist eingetroffen, was er durch seine Propheten in den Heiligen Schriften angekündigt hatte: Er hat seine Zusagen eingelöst durch seinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, von dem wir bekennen: Er ist seiner irdischen Herkunft nach ein Nachkomme des Königs David, seiner göttlichen Heiligkeit nach ist er der Sohn Gottes; in diese Machtstellung hat Gott ihn eingesetzt, indem er ihn als den ersten vom Tod erweckte» (Römer 1.2-4). Auf Grund seiner göttlichen Abstammung konnte Jesus sagen: «Ich bin die Auferstehung und das Leben» (Johannes 11.25).

Abschliessend können wir sagen, die Auferstehung Christi, der ebenfalls erklärte: «Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt» (Johannes 11.25), ist auch die Garantie für unsere zukünftige Auferstehung. Wenn «wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, ebenso gewiss wird Gott auch die, die im Vertrauen auf Jesus gestorben sind, mit Jesus zusammen zu sich holen» (1 Thessalonicher 4.14). «Aber Christus ist vom Tod erweckt worden, und das gibt uns die Gewähr dafür, dass auch die übrigen Toten auferstehen werden» (1 Korinther 15.20).

In diesem Zusammenhang antwortet der Apostel Paulus kategorisch denen, die an der Echtheit der Auferstehung zweifeln: «Das also ist unsere Botschaft: Gott hat Christus vom Tod erweckt. Wie können dann einige von euch behaupten, dass die Toten nicht auferstehen werden? Wenn es keine Auferstehung gäbe, dann wäre auch Christus nicht auferstanden. Und wenn Christus nicht auferstanden wäre, dann hätte weder unsere Verkündigung einen Sinn noch euer Glaube. Wir wären dann als falsche Zeugen für Gott aufgetreten; denn wir hätten gegen die Wahrheit bezeugt, dass er Christus vom Tod erweckt hat. Wenn es stimmt, dass Gott die Toten nicht auferwecken wird, dann hat er auch Christus nicht vom Tod erweckt. Wenn die Toten nicht auferstehen, ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer ganzer Glaube vergeblich» (1 Korinther 15.12-17), eine eindeutige Logik!

Die Auferstehung Jesu ist das grösste Wunder. Da es auch unsere Auferstehung und das Kommen des Reiches Gottes auf Erden bedeutet, sollte es folglich die einzige Grundlage der christlichen Hoffnung sein. Bei der Auferstehung der Toten wird die Hoffnung somit Wirklichkeit. Dieses aussergewöhnliche Ereignis wird der Beginn der Ewigkeit in Gottes Gegenwart für die Gläubigen aller Zeiten sein. Übrigens, der Text der Heiligen Schriften verbindet die Auferstehung der Toten mit der Rückkehr Jesu, eine Erwartung, die das Leben der ersten Christen bestimmte.

Wie steht es damit heute, zu Beginn des 3. Jahrtausends? Jeden Sonntag (4) bestätigen Millionen von Gläubigen aller Zeiten unveränderlich bei der Messe ihren Glauben an die Auferstehung von den Toten, indem sie ihr Glaubensbekenntnis ablegen, das «seinen Höhepunkt mit der Erklärung von der Auferstehung der Toten am Ende der Welt und im ewigen Leben erreicht (5)». Lt. einer Umfrage vom Institut CSA in Zusammenarbeit mit der katholischen Zeitschrift La Vie und der Zeitung Le Monde (6) glauben jedoch nur 60% der Katholiken an die Auferstehung Christi, und was noch erstaunlicher ist, nur 5% (12% bei den regelmässigen Kirchgängern) glauben an die Auferstehung der Toten! Warum also dieser eindeutige Widerspruch bei dem Zeugnis der heutigen Christen? Handelt es sich wirklich noch um die Hoffnung auf die Auferstehung, die sie motiviert, oder beruht ihre Hoffnung von nun an auf einer anderen Basis, nachdem im Laufe des jahrhundertealten Christentums mit all den äusserlichen Formen die Bedeutung der Hoffnung verloren gegangen ist?

All diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten (7), aber anstelle einer Schlussfolgerung für diese kurzen Überlegungen bezüglich der Auferstehung, möchten wir katholische Theologen zu Worte kommen lassen, mit denen wir völlig einer Meinung sind: «Der christliche Glaube ist mehr denn je gefordert, vor allen Menschen ein Zeugnis von der Hoffnung abzulegen (siehe 1 Petrus 3.15). Deshalb müssen wir zunächst einmal von der Grundlage der christlichen Hoffnung überzeugt sein. Der Ausgangspunkt und die Basis sind weder ein Traum, eine Projektion unserer Wünsche noch nutzlose Spekulationen. Es ist kein billig verkaufter Optimismus, keine prinzipielle Voraussetzung oder ein blindes Vertrauen zum Fortschritt, zur Entwicklung oder zur Revolution. Im Glauben können wir etwas über unsere Zukunft sagen, weil diese Zukunft schon mit Jesus Christus begonnen hat. Die grundlegende Überzeugung und das Wesentliche des christlichen Glaubens ist die Tatsache, dass er der erste Mensch ist, der von den Toten auferstanden ist (8).»

Claude Bouchot (9)

 
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1. Gambini H., Essai sur la résurrection de Jésus-Christ, Lausanne, 1865, p. 3.
2. Eldin E., Jésus et le prophète Esaïe, au point de vue messianique, thèse, Paris, 1891, p. 73.
3. Babut C.-E., La vérité chrétienne, Paris, 1942, p. 110.
4. Obwohl «die evangelistischen Erzählungen von der Auferstehung nicht darauf hinweisen, dass dieses grosse Ereignis an dem Wochentag, an dem es geschah, gefeiert werden soll» (H. Riesenfeld, The Sabbath and the Lord’s day, The Gospel Tradition: Essays, 1970, p. 124) und obwohl es nie im Neuen Testament «Tag der Auferstehung» genannt wird, wissen wir, dass dieser Wochentag von der Kirche der ersten Jahrhunderte zum Tag der wöchentlichen Gedächtnisfeier der Auferstehung des Herrn ernannt wurde.
5. Catéchisme de l’Eglise catholique, Ed. Mame/Plon, 1992, p. 212.
6. CSA/La Vie/Le Monde, Les Français et leurs croyances, exklusive Umfrage per Telefon vom 21. März 2003 bei 1000 Personen ab dem 18. Lebensjahr.
7. In diesem Zusammenhang wollen wir nur eine Erklärung von Dennis Gira zitieren, Chefredakteur von theologia.fr, stellvertretender Direktor des Instituts für Theologie und Religionswissenschaften (Institut catholique de Paris): «Was soll man den Christen sagen, die von der Reinkarnation verführt sind, weil sie oft als wissenschaftlich fundiert dargestellt wird und sogar mit der Auferstehung vereinbar erscheint (lt. einiger Umfragen glauben bis zu 43% der Katholiken an die Reinkarnation und an die Auferstehung)?»
8. Conférence épiscopale allemande, La Foi de l'Eglise, catéchisme pour adultes, Ed. Brepols/Cerf/Le Centurion, 1987.
9. Übersetzung des französischen Textes von Karin Bouchot.
 
 
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